„Hören, was andere sehen“ – Der zweite internationale Alpine Cup blinder und sehbehinderter Schützen

 

Autor: Sandro Nicolussi
Fotos: Thomas Girardelli

 

Heuer fand in der Woche vom 12. bis zum 16. September der zweite Alpine Cup in Innsbruck statt. Mit diesem Event machten die 28 blinden und sehbehinderten Schützinnen und Schützen aus 14 Nationen einen riesigen Schritt in Richtung Paralympics. Denn: Anwesend war auch Ferrol Van Hoefen vom International Paralympics Comitee (IPC), der das Regelwerk inspizierte und so anpasste, dass die beeinträchtigten SchützInnen voraussichtlich 2024 ihren ersten Demobewerb bei den Paralympischen Spielen schießen können. Organisator Patrick Moor, Fachreferent des ÖBSV, zeigt sich zufrieden: „Es ist unglaublich, was der Schießsport für Blinde und Sehbehinderte in den letzten Jahren für Fortschritte gemacht hat.“ Die Organisatoren und Mitwirkenden können auf einen fairen Wettkampf zurückblicken und gehen den Weg zu den Paralympics motiviert weiter. „Jetzt heißt es weiterarbeiten und dranbleiben!“, so Patrick Moor.

 

Blinde und sehbehinderte Schützen zielen mittels einer Visiereinrichtung, die im Grunde aus einer einfachen Hochgeschwindigkeitskamera besteht. Eine Software wandelt die Position des Gewehres auf der Zielscheibe in ein akustisches Signal um, anhand dessen sich die Sportler orientieren und ähnliche Leistungen wie Sehende Menschen erzielen können. Dieses System wird auch zunehmend für Schützen im höheren Alter interessant, deren Sehkraft sinkt, die aber dem Schießsport nicht den Rücken kehren wollen.

 

Die anschließenden Ergebnisse wurden alle samt auf die kleiner Gewehrscheibe geschossen. Diese Scheiben werden auch bei den zukünftigen Paralympic Bewerben verwendet.

 

Unsere Anna Sophie Thöni erreichte bei ihrem ersten internationalen Großereignis den sensationellen 14 Rang mit 571,3 Ringen von gesamt 26 Startern im Bewerb liegend. Patrick Moor konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht starten.

2.Alpine Cup 2017

7. Trainingslager der Blinden und Sehbehinderten Sportschützen in Dornbirn.

 

Vom 11.6. bis 16.6.2017 fand wie auch schon die letzten 6 Jahre, das legendäre Trainingslager der Blinden und Sehbehinderten Schützen  im Olympiazentrum in Dornbirn statt. Zu diesem Weiterbildungstrainingslager waren 10 Schützen und 8 Assistenten und Helfer anwesend.

 

Bei diesem Event meldete sich sogar Reiner Barkmann (ein Deutscher Schütze aus Hannover)  mit seiner Begleitsportlerin Evelin an. Wie jedes Jahr konnten wir auch auf die Unterstützung des Schweizer Nationaltrainers Heinz Reichle, mit Top Athletin Claudia Kunz, zurückgreifen und gemeinsam neue Techniken und Stellungen testen und umsetzen. Weiters war erfreulich auch Breitensportler Bruno Heimberg mit Trainer Urs Wenger aus der Schweiz bei uns begrüßen zu dürfen.

 

Von Österreich waren Schützen und Begleitsportler von Wien, Kärnten, Oberösterreich, Tirol und Vorarlberg vertreten.

 

Im Zuge dieser Trainingsveranstaltung wurden auch die neuen IBSA/ISSF Regeländerungen erklärt und besprochen. Sowie die aktuellen Veränderungen des Schießsportes in Richtung IPC.

 

1.Bodensee Cup 2017

 

Am Dienstag den 13.6.2017 erfolget der 1. Bewerb des 1. Bodensee Cup 2017. Bewerb liegend.

 

Dabei starteten alle Teilnehmer und kämpften sich an die Spitze.

 

Sieger wurde Martinschitz Kurt, vor Andreas Lamfalusi und Claudia Kunz.

 

Am Mittwoch wurde der Bewerb stehend Frei ausgetragen.

 

Dabei starteten 6 Teilnehmer. Sieger wurde ebenfalls Kurt Matinschitz gefolgt von unseren beiden Mädels aus Wien. Piribauer Andrea erreichte den 2. Platz. Burgi Bänder erreichte den sensationellen 3. Platz nach langer Trainingspause.

 

Am Donnerstag wurde ein Dreistellungsmatsch 3x20 ausgetragen

 

Dabei  gewann wieder Kurt Martinschitz vor Claudia Kunz und Piribauer Andrea.

 

Zum Abschluss dieses erfolgreichen Trainingslagers, fand das legendäre alljährliche Grillfest bei Organisator Moor Patrick in Lauterach statt. Die Teilnehmer erfreuten sich gutem Essens und Getränken. Sogar das Wetter spielte einigermaßen mit.

 

Wir freuen uns alle schon auf das nächste Jahr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4x Gold, 1x Silber, 1x Bronze
beim Finale des 31. dez. Österreich Cup 2017 in Innsbruck.



 Erfolgreiches Wochenende für Vorarlbergs Blinden und Sehbehinderten Sportschützen am 18.03.2017 in Innsbruck..

Moor Patrick aus Lauterach holte sich gleich 3 Goldmedaillen und eine Silbermedaille. Im Bewerb stehend frei erreichte er fast, mit nur 0,2 Ringen weniger (Weltrekord 623,1), seinen eigen Weltrekord, den er bei der letzten WM im Nov.2016 in Polen holte.

Anna Sophie Thöni aus Ludesch erreichte, wie die erst und zweit Platzierte, sensationelle 400/400 Ringe. Leider hatte sie ein paar Innenring Zehner weniger und landete auf den hervorragenden 3. Platz.

In der Mannschaft erreichte das Team Vorarlberg mit Anna Sophie Thöni, Schober Theresia und Patrick Moor die Goldmedaille.

Wir wünschen allen Sportlern alles Gute und viel Glück bei den nächsten Wettkämpfen.

Patrick holte sich bei der Sportnacht 2017

den Titel Sportler des Jahres 2016

 

Weltmeisterschaft der sehbehinderten Schützen in Olsztyn, POL

07.11 bis 13.11.2016

 

 

 

1. Tag - Königsklasse „stehend frei“

 

 

 

Patrick Moor aus Vorarlberg (mit Begleitsportlerin Daniela Moor) krönte sich zum Weltmeister und stellte dabei einen neuen Weltrekord mit 623,1 Ringen auf. Im Finale erreichte er 208,0 Ringe. Er gab im Finale vom ersten bis zum letzten Finalschuss die Führung nicht ab (Start-Ziel Sieg).

 

Kurt Martinschitz aus Kärnten (BGS Günther Sapinski) landete bei der Qualifikation auf Rang 3 mit 617,4 Ringen und beendete das Finale auf dem 4. Platz. Nach der Qualifikation musste Kurt zur Randomcontrol, dort wurde seine Jacke beanstandet und disqualifiziert. Nach Einbringung eines Podestes wurde die Disqualifikation von der Jury zurückgenommen und Kurt durfte am Finale teilnehmen.  

 

Maria Luise Weber, ebenfalls aus Kärnten (BGS Lothar Heinrich), konnte sich nicht gegen die Hauptkonkurrentinnen aus Polen behaupten. Sie erreichte in der Qualifikation den 9. Platz mit 386,3 Ringen und schaffte es nicht ins Finale.

 

Unsere WM-Newcomerin Andrea Piribauer aus Wien (BGS Erwin Messerer), konnte sich mit nur 1,0 Punkten Rückstand hinter die Ex Weltmeisterin Maria Luise Weber auf den 10. Platz platzieren.

 

 

 

 

 

2. Tag - Bewerb „liegend“

 

 

 

Weltmeister wurde Kurt Martinschitz mit einer Qualifikationsleistung von 636,4 Ringen (Platz 5) und einem sensationellen Finale.

 

Patrick Moor erreichte zwar in der Qualifikation den 1. Rang und holte sich den zweiten Weltrekord im „liegen“ mit unglaublichen 641,5 Ringen. Jedoch versagte seine Waffe im Finale kläglich und der Vorarlberger musste sich schließlich mit dem 5. Gesamtrang zufrieden geben.

 

Andrea Piribauer schoss ein für sie sensationelles Ergebnis in der Qualifikation mit 629,6 Ringen und schaffte sogar den Sprung ins Finale mit dem 7. Platz. Im Finale belegte sie schließlich den 8. Platz bei ihrer ersten WM.

 

Maria Luise Weber schien nach der Qualifikation und top Weltrekordleistung von 640,6 Ringen unschlagbar und landete auf dem 1.Platz.

 

Doch dann geschah das Unfassbare. Maria schoss, überlegen in Führung liegend, noch vor dem Kommando „Start“ und kassierte prompt dadurch die „0“. Somit war die Goldene für sie nicht mehr erreichbar. Am Ende war es nur mehr Platz 6.

 

Die Vorstufe dieses frühzeitigen Schusses war, das der Finalsprecher nicht gewartet hat bis Andrea Piribauer den Stand verlassen hat. Andrea wurde verabschiedet und war im Begriff die Feuerlinie zu verlassen. Der Sprecher wartete aber nicht bis dieser Vorgang beendet war, sondern gab sofort das Kommando, „zum nächsten Schuss laden“. Normalerweise sollte 5 Sek. nach diesem Kommando das Kommando „Start“ folgen. Doch der Finalsprecher bemerkte seinen Fehler, sagte aber mindestens 20 Sek. nichts mehr.

 

Dadurch wurde Maria unsicher und gab Ihren Schuss ab. Gefolgt von der Schweizerin Claudia Kunz.

 

Es gab dann massive Proteste von Österreich, Schweiz und Dänemark, die allesamt zu diesem Zeitpunkt unter den Tisch gekehrt wurden. Die Jury erkannte den Protest nicht an und meinte, Schuss vor Start ist „0“. Es wurde nach dem Finale noch heftig diskutiert, leider mit keinem besseren Ergebnis. Am nächsten Tag wurde vom IBSA Delegierten und Vorsitzendem von VI-shooting, Michael Whapples, ein Statement abgegeben. Er gab der Jury Recht und meinte das Finalergebnis ist anzuerkennen. Wenn dieser Finalsprecher den Fehler nicht begangen hätte, .... !

 

 

 

 

 

3. Tag - Bewerb „Dreistellung“ (Herren 3x40, Damen 3x20)

 

 

 

Nachdem Patrick Moor einen Defekt bei seinem Gewehr am 2. Tag im Finale hatte, musste der frisch gebackene Weltmeister mit einem Ersatzgewehr an den Start gehen. Ein Gewehr, das er noch nie vorher in der Hand hatte, trotzdem erreichte er mit nur 2,8 Ringen Rückstand zum Sieger, die Bronzemedaille mit 1256 Ringen. Kurt erreichte mit 10,5 Ringen Rückstand auf Patrick den 4. Platz.

 

Maria Luise Weber musste wiederum in Führung liegend, nach einem „1´er“ nicht nur Platz 1 abgeben, sondern landete am Ende auf den für sie enttäuschenden 8. Platz

 

Andrea Piribauer hatte ebenfalls einen Fehlschuss und landete auf dem 11.Platz.

 

 

 

 

 

Neue Synergien im Bereich IPC Integration in Richtung Paralympics

 

 

 

Nachdem Patrick Moor den Projektleiter und IPC Shooting Verantwortlichen Ferrol Van Hoeven zu diesem Event eingeladen hat, konnten nicht nur gute Fachgespräche geführt werden, sondern auch die nächsten Schritte auf dem Weg zu den Paralympics festgelegt werden.

 

Einige gravierende organisatorische Mängel wurden bei dieser WM sichtbar. Damit die Gefahr gebannt werden kann, dass das VI-shooting möglicherweise Schaden davon nimmt und womöglich zerbrechen könnte, hat Moor mit Ferrol Van Hoeven einen schnelleren Integrationsprozess besprochen. Ergebnis der Gespräche war unter anderem, dass das IPC für das Jahr 2017 einen Demo Bewerb für die blinden Schützen durchführen wird.

 

An diesem Demo-Event sollen die Regeln, die Klassifizierung, etc. finalisiert werden. Zudem sollten dort auch Kampfrichter und Mitglieder der Jury geschult werden.

 

Nachdem Moor schon in den Vorbereitungen zum „2. Int. Alpen Cup“ 2017 in Innsbruck (14.9 bis 17.9) steckt, schlug dieser dem IPC Verantwortlichen van Hoeven vor, dass es gut wäre, diese zwei Veranstaltungen zu einem „Megaevent“ zusammen zu legen. Die Durchführungsdauer würde sich zwar etwas verlängern. Details sollen in den nächsten Monaten mit dem IPC finalisiert werden.

 

Moor hat bereits diesbezüglich mit Nationen die nur noch bei IPC starten können/wollen gesprochen und hat eine sehr positive Reaktion erhalten. Dadurch werden künftig wesentlich mehr Nationen an dieser Sportart teilnehmen. Beim „1. Int. Alpen Cup“ im letzten Jahr, waren übrigens mehr Nationen am Start als bei der diesjährigen WM in Polen.

 

Klassifizierer von IBSA und IPC waren bei der WM vor Ort und haben sich darüber verständigt, dass ein gemeinsamer Weg eingeschlagen werden muss, und zwar in Richtung IPC.

 

Wenn die nächsten Monate gut gearbeitet wird und der Event in Innsbruck 2017 zum Erfolg wird, meint Ferrol van Hoeven von der IPC, ist VI-shooting Ende 2017 „ready for“ IPC. Und im Jahr 2018 könnten bereits die ersten offiziellen IPC Meisterschaften stattfinden.

 

„So nahe an der Möglichkeit paralympisch zu werden, waren wir noch nie!“, sagt Weltrekordhalter und Weltmeister Patrick Moor und hofft, dass er für den Weg „go to IPC“, bestmögliche Unterstützung aus Österreich bekommt.